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Werkzeuge

Paletten, Salbgefäße & Flakons: das Handwerk der Kosmetik

Johanna Kessler · · 6 Min. Lesezeit
Steinerne Schminkpalette aus Grauwacke, Museo Egizio Turin
Schminkpalette aus Grauwacke, Museo Egizio, Turin S 618. CC0, via Wikimedia Commons.

Bevor es Cremetöpfe und Pumpflaschen gab, entwickelten die Menschen am Nil ein eigenständiges Handwerk rund um die Herstellung und Aufbewahrung von Kosmetika. Drei Objektgruppen erzählen diese Geschichte besonders anschaulich: die Schminkpalette, das Salbgefäß und der Duftflakon.

Die Schminkpalette: älter als die Pyramiden

Schminkpaletten aus Schiefer oder Grauwacke gehören zu den ältesten erhaltenen Kosmetikwerkzeugen Ägyptens – manche Exemplare stammen bereits aus der vordynastischen Naqada-Kultur, weit vor dem Bau der ersten Pyramiden. Auf der glatten Steinfläche wurden Malachit oder Galenit mit einem kleinen Reibstein zu feinem Pulver zermahlen. Viele Paletten waren kunstvoll in Tierform gearbeitet, etwa als Fisch oder Schildkröte, was auf eine zusätzliche symbolische oder rituelle Bedeutung schließen lässt.

Alabaster für kostbare Salben

Für die Aufbewahrung von Ölen und Salben bevorzugten wohlhabende Ägypter Gefäße aus Alabaster (Kalzit). Das Material ist leicht lichtdurchlässig und hält Temperaturschwankungen gut aus – zwei Eigenschaften, die empfindliche Duftöle schützten. Bekannt sind unter anderem die kunstvoll beschrifteten Salbgefäße aus dem Grab des Beamten Djehuty, die im Museo Egizio in Turin erhalten sind und Einblick in die Handwerkskunst der 18. Dynastie geben.

Glas: eine späte, aber prägende Erfindung

Kernglasgefäße für Duftöle und Kosmetika treten in Ägypten ab dem Neuen Reich, etwa ab dem 16. Jahrhundert v. Chr., in größerer Zahl auf. Sie wurden durch Aufschmelzen von Glasmasse um einen Tonkern hergestellt und oft in kräftigen Farbstreifen gestaltet. Diese kleinen, oft nur handtellergroßen Flakons zeigen, wie kostbar die darin aufbewahrten Duftöle waren – Glas war zu dieser Zeit selbst ein Luxusgut.

Das Kohlgefäß als persönliches Ritualobjekt

Für die tägliche Anwendung von Augenschminke dienten kleine Behälter aus Holz, Elfenbein oder Fayence, meist mit einem passenden Applikatorstäbchen. Sie zählten zu den persönlichsten Gegenständen im Haushalt und wurden häufig als Grabbeigabe mitgegeben – ein Hinweis darauf, dass die tägliche Pflege auch im Jenseits fortgesetzt werden sollte.

Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt historische Objekte und Materialien zu kulturhistorischen Zwecken. Er ist keine Anleitung zur Verwendung historischer Mineralien wie Malachit oder Galenit in der modernen Kosmetik.

Wer sich dem Prinzip dieser antiken Aufbewahrung annähern möchte, kann heute auf dunkle Glasfläschchen für selbst angesetzte Öle zurückgreifen – erhältlich unter anderem bei dm.de oder rossmann.de. Fjeldr ist mit diesen Anbietern nicht verbunden; die Links dienen nur als Bezugsquellen-Hinweis.

JK

Johanna Kessler

Kräuterkundlerin und Autorin für historische Naturkosmetik, München

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