Weihrauch & Myrrhe: Rituale und Ölgewinnung im Alten Ägypten
Kaum ein Rohstoff war im Alten Ägypten so eng mit Religion, Handel und Körperpflege verknüpft wie Weihrauch. Das aromatische Harz wurde vom Boswellia-Baum gewonnen, der vor allem im heutigen Somaliland, Jemen und Oman wächst. Ägypten selbst besaß keine natürlichen Vorkommen – jedes Körnchen Weihrauch musste importiert werden, über beschwerliche Karawanenrouten oder per Schiff.
Die Expedition nach Punt
Die berühmteste Weihrauch-Expedition der ägyptischen Geschichte fand unter Königin Hatschepsut statt, etwa im 15. Jahrhundert v. Chr. Reliefs in ihrem Totentempel in Deir el-Bahari zeigen Schiffe, die aus dem Land Punt zurückkehren – beladen mit Weihrauchbäumen, Harzsäcken, Ebenholz und Myrrhe. Diese Darstellungen gelten als eine der detailliertesten bildlichen Quellen zum antiken Harzhandel überhaupt.
Myrrhe: das dunklere Gegenstück
Myrrhe stammt von Bäumen der Gattung Commiphora und war noch kostbarer als Weihrauch. Sie wurde unter anderem bei der Einbalsamierung verwendet, wie chemische Analysen an Mumienbinden gezeigt haben, sowie in Salben und Räucherwerk für Tempelrituale. In Kombination ergaben Weihrauch und Myrrhe das berühmte Räucherwerk „Kyphi“, das griechische und römische Autoren wie Plutarch später ausführlich beschrieben.
Vom Räucherwerk zum Körperöl
Neben der rituellen Verräucherung wurden beide Harze auch in Fett oder Pflanzenöl eingelegt, um duftende Salben herzustellen. Ostraka und Verwaltungstexte aus Deir el-Medina belegen die Zuteilung von Ölen und Duftstoffen an Arbeiter und Priesterschaft. Solche Öle dienten dem Schutz der Haut vor der trockenen Wüstenluft und galten gleichzeitig als Statussymbol.
Hinweis: Die folgende Anleitung ist eine historisch inspirierte, kosmetische Anregung für die Herstellung eines Duftöls. Sie ersetzt keine medizinische Beratung und ist kein Heilmittel. Bei empfindlicher Haut, Allergien oder Hauterkrankungen sprechen Sie bitte vorab mit einer Ärztin oder einem Arzt und testen neue Öle zunächst an einer kleinen Hautstelle.
Eine moderne Adaption zum Selbermachen
Die folgende Mazeration orientiert sich am antiken Grundprinzip – Harz, Zeit und ein hochwertiges Trägeröl – und verwendet dafür heute leicht erhältliche Zutaten.
- Etwas Weihrauch- und Myrrheharz (z. B. aus dem Fachhandel für Naturkosmetikzutaten) im Mörser grob zerkleinern.
- Das Harz in ein sauberes Glasgefäß geben und mit Mandel- oder Sesamöl vollständig bedecken.
- Verschlossen zwei bis drei Wochen an einem warmen, dunklen Ort ziehen lassen, gelegentlich sanft schwenken.
- Durch ein feines Tuch oder einen Kaffeefilter abseihen und in ein dunkles Glasfläschchen füllen.
- Kühl und lichtgeschützt lagern, ähnlich den Alabastergefäßen der Antike – so bleibt der Duft länger erhalten.
Naturbelassene Trägeröle für eine solche Mazeration finden sich unter anderem in Drogerien und Bio-Märkten wie dm.de oder alnatura.de. Fjeldr ist mit diesen Anbietern nicht verbunden; die Links dienen nur als Bezugsquellen-Hinweis.
Johanna Kessler
Kräuterkundlerin und Autorin für historische Naturkosmetik, München